gott ist fröhlich
dienstag vor einer woche saß ich morgens mit meiner depression am tisch. wir haben zusammen kaffee getrunken und nicht recht gewusst, was mit diesem tag anzufangen. jemand, der nicht in diesem raum war und doch, pustete mir ins ohr: "buh! es hat alles keinen sinn. weißt du das?"
in genau dem moment wusste ich das auch. es ging auch keineswegs um suizidalität. ich lebe, so lange mir dieses geschenk des lebens zuteil wird, da rüttele ich nicht dran. es ging schlicht und einfach darum zu begreifen, dass ich mir unnötig sorgen mache. wenn ich, mal angenommen, 80 werden sollte und dann den löffel abgebe, was bleibt dann von mir? nichts, um genau zu sein.
was also ist wichtig im leben? dass ich wie in den letzten 32 jahren den vorstellungen anderer folge zu leisten versuche? dass ich immer scheitere, weil ich zu unbeteiligt bin? weil ich nicht verstehe, was das alles soll?
ab genau dem moment, wo ich einst meinen körper verlasse, ist nichts mehr wichtig. ob ich einen guten job hatte und eine familie gegründet habe. ob ich eine schrottkarre, einen jaguar oder nur meine füße hatte. ob ich ein buch geschrieben oder ein blog gefüllt habe. oder all die anderen dinge getan habe, mit denen man hier in unserer gesellschaft soziale anerkennung erfährt, nach der auch ich mich sehne.
alles ist sinnlos. es geht nur darum, zu sein. jetzt.
klingt einfach. mein verstand findet, es geht über seinen horizont. das tut es wahrscheinlich auch.
an demselben abend hätte man eine frau im bett mit ihren decken kuscheln sehen können. man hätte sehen können, wie sie tränen lacht. ganz einfach, weil sie ihr abendgebet spricht, sich für den schlaf bedankt, der gleich kommt. weil sie die albträume einlädt, da zu sein und weil mitten im gespräch der liebe gott haltlos und fröhlich anfängt zu kichern. die frau fühlte sich zunächst veralbert, aber das kichern war so mitreißend, dass es sie ganz und gar erfüllte. ihr körper bebte unter den decken und das lachen platzte auch aus ihr heraus.
ich bin diese frau. und ich habe keine ahnung, was passiert ist. außer, dass ich sicher bin, das göttliche hat heftig gekichert, über die welt und die menschen. nicht gehässig. aber gott schien es eindeutig irre komisch zu finden, über was wir uns so sorgen machen. es sei doch alles da. da sei einfach kein mangel, so sehr wir menschen uns den auch herbeizureden versuchten. und dass es ebenso witzig sei, dass wir immer nicht vertrauen. weil wir getragen seien, egal, ob wir vertrauten oder nicht. nur, dass misstrauen so unendlich viel anstrengender sei. in genau diesem moment fand ich das alles auch irre komisch. ich konnte nicht anders, als mitzulachen
nach klassischen maßstäben bricht mein leben grad mal wieder auseinander.
an diesem tag habe ich begriffen, dass ich meinen weg gehen muss.
ein paar tage später habe ich auch begriffen, dass ich nun nicht immer ein paar zentimeter über dem boden schweben werde oder mich ein imaginäres güldenes licht umstrahlt. ich bin absolut nicht frei von meiner trauer, meinen ängsten und sorgen, den zweifeln. ein mensch, den ich liebe, hat mich vorgestern sehr verletzen können. ich bin nicht unangreifbar. schmerz gibt es nach wie vor. vielleicht sogar heftiger, weil ich ihn mehr zulasse als früher.
einfach sein. in allen betonungen und keiner.
ich habe keinen schimmer, wie das gehen kann, einfach sein. wie sich das wohl anfühlt. und wenn ich hören muss, selbst buddha sei das letzlich nicht gelungen. wenn ich weiß, dass wir wünschende wesen sind und nun mal einen körper haben, solange wir leben, dann könnte ich mich fragen, welchen sinn es dann hat, nun einen anderen weg zu gehen.
es hat keinen sinn, aber ich muss das trotzdem wagen.
ich weiß nichts über diesen weg, den ich da nun gehe. außer, dass er anders ist als die, die ich bis jetzt ging. ich weiß, dass der liebe gott mich leitet.
oh, und ich weiß noch eins: gott hat humor. einen sehr formidablen und ganz nach meinem geschmack.